Wo sind all die Schmetterlinge von Feld, Wald und Flur hin?


Wo sind all die Schmetterlinge von Feld, Wald und Flur hin?

Zu den auf der Tafel gezeigten Schmetterlingen sind im Folgenden Detailinformationen aufgeführt.


Zu den typischen Arten von breiten, wenig beeinträchtigten Weg-, Feld- und Straßenrändern, ungedüngten Wiesen, Böschungen und Gärten zählen folgende Schmetterlinge


Zu Abb. 2:

Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia)

Dieser einst nicht seltene Scheckenfalter ist heute fast überall im östlichen Niedersachsen verschwunden. Er braucht vegetationsreiche, aber ungedüngte, trockene bis mäßig feuchte Wiesen und Saumstreifen von Laubwäldern.


Zu Abb. 3:

Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

Einst unser häufigster Tagfalter ist heute in der Südheide und damit auch in der Sassenburg selten geworden. Mit Ausnahme der Mittelgebirgsregion Niedersachsens sind fast überall in diesem Bundesland die Populationen zusammengebrochen.


Zu Abb. 4:

Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Selten gewordener Gast aus südlichen oder südöstlichen Teilen Niedersachsens, der sich gerne mal in Siedlungsgärten entwickelt.

zu Abb. 5:

Raupe des Schwalbenschwanzes

Seine Raupen leben in den Siedlungsgärten an Möhrenkraut, Dill und Petersilie. Dieses Foto entstand am 16.08.2018 auf dem Triftweg in Westerbeck.

zu Abb. 6:

Puppe des Schwalbenschwanzes

Die Puppe, die im Garten fast nie am Kraut der Raupennahrungspflanzen Möhrenkraut, Dill oder Petersilie hängt, in freier Natur allerdings schon.


Zu Abb. 18:

Mauerfuchs (Lasiommata megera)

Diese Art besiedelt sog. Trittsteinfluren, Steinlesehaufen, magere und vegetationsarme Böden und wurde Anfang der 90er-Jahre das letzte Mal in Westerbeck beobachtet. Seither ist dieser Tagfalter überall im östlichen Niedersachsen verschwunden.


Zu Abb. 19:

Ockerbindiger Samtfalter (Hipparchia semele)

Typischer Vertreter von Sandheiden und Randstreifen von ungedüngten Sandäckern. Heute fast überall im östlichen Niedersachsen verschwunden. Letzte Sichtung eines migrierenden Falters in Westerbeck war Mitte der 90er-Jahre.


Zu Abb. 20:

Kleines Ochsenauge (Hyponephele lycaon)

Ähnliche Lebensraumansrüche wie der Ockerbindige Samtfalter (Bild 5). Heute in Niedersachsen fast ausgestorben. Letzte Beobachtung 1986 bei Wesendorf.


Zu Abb. 21:

Rostbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha  glycerion)

Ebenfalls ein Bewohner magerer, naturnaher Randstreifen und Wiesen. Heute fast überall in Ostniedersachsen, wo seine natürliche westliche Verbreitungsgrenze verläuft, verschwunden. Letzte Beobachtung 1988 bei Weyhausen.


Zu Abb. 22:

Weißbindiges Wiesenvögelchen (Coenonympha arcania) (Flügeloberseite)

Heute – bis auf den Grenzbereich zum LK Uelzen – überall im Gifhorner Landkreis verschwunden. Art bevorzugt trockene, ungedüngte Randstreifen und Wiesen.


Zu Abb. 23:

Weißbindiges Wiesenvögelchen (Coenonympha arcania) (Flügelunterseite)

Wunderschön gezeichnete Flügelunterseite, die auf der Flügeloberseite (Bild 8) nur etwas durchscheint.


Zu Abb. 29:

Wolfsmilchschwärmer (Hyles euphorbiae)

Dieser prächtige Nachtfalter wurde das letzte Mal in den 80er-Jahren im Grenzbereich Sassenburg/Boldecker Land (östlich von Grußendorf) beobachtet. Seine Raupe lebt an Zypressen-Wolfsmilch, eine Steppenpflanze, die an Weg- und Straßenrändern durch Pflegemaßnahmen regelmäßig beeinträchtigt wird.


Zu Abb. 30:

Stachelbeerspanner (auch Stachelbeer-Harlekin genannt, Abraxas grossulariata)

Einst in fast jedem Garten als Falter oder als Raupe zu finden, ist dieser Nachtfalter heute nur noch sehr lokal und selten in ungepflegten Gärten oder in alten Schlehenhecken, woran sich seine Raupen ebenfalls entwickeln, zu finden.


Selten gewordene Schmetterlinge des Waldes und der Gebüschzone


Zu Abb. 13:

Kleiner Schillerfalter (Apatura ilia)

Ebenso prächtiger Tagfalter, der Jahrzehntelang nur von einem Ort innerhalb des Gifhorner Landkreises bekannt war. Unterdessen erholen sich die Bestände wieder, so kommt er nun wieder in mehreren Waldgebieten vor. Möglicherweise ein Gewinner des Klimawandels?


Zu Abb. 14:

Großer Schillerfalter (Apatura iris)

Prächtiger und selten gewordener Tagfalter naturnaher Laubwälder. Im Gifhorner Landkreis nur noch in wenigen Waldgebieten vorkommend.


Potenzielle Gewinner des Klimawandels


Hierzu zählen Arten, die gegenüber früheren Erfassungsergebnissen deutlich im Bestand zugenommen haben oder nach vorübergehendem Verschwinden wieder nachweisbar wurden. Verbesserte Entwicklungsbedingungen durch Vertragsnaturschutz (keine einjährigen Blühstreifen, sondern mehrjährige Ackerruheflächen), nachhaltige Forstwirtschaft und Zuwanderung aus benachbarten Gebieten, wo es für die Arten noch bessere Entwicklungsmöglichkeiten gibt, machen dies möglich. Die Erwärmung des  Klimas wird in diesem Zusammenhang aber als wichtigster Grund angenommen.


Zu Abb. 7:

Großer Fuchs (Nymphalis polychloros)

Der Verwandte des Kleinen Fuchses (Bild 3) kommt seit etwa 2010 wieder vielerorts vor, nachdem er in Niedersachsen Jahrzehntelang fast ausgestorben war. Es ist ein typischer Vertreter naturnaher Laubwaldgebiete, Gebüschstrukturen und wenig gepflegter Gärten.


Zu Abb. 8:

Resedaweißling (Pontia edusa)

Dieser Weißling galt in der Südheide lange Zeit als bedingt bodenständig. Das heißt, nur seltene Einwanderer aus südlich benachbarten Gebieten, z. B. dem nördlichen Harzvorland, konnten in großen Zeitabständen beobachtet werden. Unterdessen ist er regelmäßiger Gast und pflanzt sich auch hier fort.


Zu Abb. 9:

Karstweißling (Pieris mannii)

Dieser aus Südeuropa eingewanderte oder mit der Hauptnahrungspflanze seiner Raupe „Immergrüne Schleifenblume“ (Iberis sempervirens) einge-schleppte Weißling tritt seit einigen Jahren in Siedlungen auf, da er sich zurzeit nur dort entwickeln kann. Erstnachweis in Westerbeck gelang am 11. September 2016 auf dem Triftweg.


Zu Abb. 10:

Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia)

Diese Art war noch vor dem Zweiten Weltkrieg ein häufiger Vertreter in der Feldmark, auf trockenen Wiesen und in Mooren. Jahrzehntelang blieb sie dann unbeobachtet und taucht seit der Jahrtausendwende vielerorts wieder auf. Sie benötigt sandige und magere Bereiche des Offenlandes.


Zu Abb. 11:

Purpur-Zwergeulchen (Eublemma purpurina)

Seit 2018 wird dieser kleine Nachtfalter in vielen Bundesländern regelmäßig beobachtet. Er ist aus dem Süden Europas zugewandert und konnte sich bisher im Bestand festigen. Seine Entwicklungs-möglichkeiten findet er in fast jedem Bestand der Acker-Kratzdistel und anderen  Distelarten, wie sie an vielen Feldrändern und auf Brach-flächen vorkommen.


Zu Abb. 12:

Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae)

Dieser hübsche und teils tagaktive Nachtfalter profitiert deutlich von der Ausbreitung seiner Raupennahrungspflanze Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) auf Brachflächen und Ackerruheflächen, so auch in Westerbeck. Er war lange Zeit recht selten in Niedersachsen.


Wanderfalter, nach deren Erscheinungsbild angenommen werden könnte, Schmetterlinge seien ungefährdet


Zu Abb. 24:

Admiral (Vanessa atalanta)

Regelmäßig einwandernder und sich hier fortpflanzender Tagfalter, der es als südeuropäische Art bereits schafft bei uns als Falter zu überwintern. Er tritt fast jedes Jahr in beachtlicher Anzahl auf und kann häufig an Sommerflieder (Buddleia)  beobachtet werden.


Zu Abb. 25:

Distelfalter (Vanessa cardui)

Aus Südeuropa und Afrika regelmäßig einwandernder Tagfalter, der es in keinem Entwicklungsstadium (Ei, Raupe, Puppe oder

Falter) schafft, bei uns zu überwintern. Er wandert über mehrere Entwicklungsdurchläufe (Generationen) über eine Strecke von 15.000  Kilometern vom Süden Afrikas bis zum Nordkap.


Zu Abb. 26:

Kleiner Perlmutt(er)falter (Issoria lathonia) Wanderfalter aus dem Süden Europas, der es gelegentlich schafft, im jungen Raupenstadium bei uns zu überwintern. Dieser Falter fliegt gern dicht

über den Boden auf Stoppelfeldern, kommt also nicht selten in Agrarlandschaften vor und entwickelt sich dort an Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis).


Zu Abb. 27:

Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)

Weiterer sehr bekannter Tagfalter und zugleich Binnenwanderer, der als ubiquitäre Art überall auftauchen kann. D. h., er ist sowohl im gesamten Offenland zu beobachten als auch im Wald, wo meist seine Entwicklung stattfindet. Er gehört zu den sogenannten Frühlingsboten und ist durch seine ungewöhnlich lange Lebensdauer (fast 11 Monate) der am längsten als Falter lebende Schmetterling Mitteleuropas.


Zu Abb. 28:

Tagpfauenauge (Inachis io)

Das meist häufige Tagpfauenauge ist ein Binnenwanderer und kann jahrweise sehr häufig oder auch mal seltener auftreten. Es gehört zu den bekanntesten Tagfalterarten Mitteleuropas.